Wo liegen die Grenzen der Depression?

Die gute Nachricht: Schlechte Laune und Depression haben wirklich sehr wenig miteinander zu tun. Aus diesem Grunde gibt es absolut keinen Grund zur Hysterie, wenn wir mal ein paar Tage hintereinander sehr schlechte Laune haben. Burn-out ist dann nicht sofort die nächste folgerichtige Konsequenz. Bis zur Couch beim Psychiater ist es dann immer noch ein sehr weiter Weg. Wir möchten hiermit etwas Ordnung in die vom Sturm des Zeitgeistes aufgepeitschten Gedanken bringen.

 

Was ist eigentlich schlechte Laune?

Wir alle haben ein Recht darauf, ab und zu mal schlechte Laune zu haben, und das gilt auch dann, wenn sich das über ein paar Tage erstreckt. Unsere Freunde und Kollegen sowie unsere Verwandten sollten uns das grossmütig verzeihen, immerhin wird jeder mal von schlechter Laune übermannt, und jeder geht a priori und zurecht davon aus, dass auch ihm mal ein schlechter Tag verziehen wird. So ist unser Leben ein ständiges Geben und Nehmen, in der Wirtschaft und auch in der Soziologie.

Schlechte Laune ist dadurch gekennzeichnet, dass sie meistens bestimmte Ursachen hat. Nehmen wir als Beispiel den verliebten jungen Mann, dem seine holde Dame eine ordentliche Abfuhr erteilt hat, da mischen sich dann auch noch Enttäuschung und Liebeskummer mit ein, was die Laune besonders auf den Boden drückt oder sogar eine Wutkomponente verleiht. Ein kleiner Fehler im Job, der dadurch zustande kam, dass man einen Kollegen schützen wollte, kann zur Abmahnung führen, auch das ist eine initiale Situation für massive schlechte Laune. Wenn sich nach geraumer Zeit die Wogen wieder glätten, relativiert sich auch die schlechte Laune, und wir können im frischen Wind anderer Alltäglichkeiten wieder neuen Mut fassen für andere Aktivitäten, und dabei finden wir auch wieder zu unserem Humor zurück.

 

Der Unterschied zwischen Depression und Burn-out

Eigentlich gibt es den gar nicht! Machen wir uns nichts vor: Amerikanismen liegen voll im Trend des Zeitgeistes, und so empfindet jeder den amerikanischen Begriff, insbesondere dann, wenn es sich um eine Abkürzung oder Akronym handelt, als viel wissenschaftlicher, als das Wort in deutscher Sprache, das den gleichen Sachverhalt bezeichnet. Daher gilt das, was im Folgenden über die Depression ausgesagt wird, ganz genauso auch für Burn-out.

 

Depression ist eine ernste Krankheit

Die folgenden Aussagen machen den riesigen Unterschied zur "schlechten Laune" klar. Eine Depression ist eine extrem tiefe Traurigkeit, die sich wie ein unentrinnbarer Strudel scharf nach unten zuspitzt. Da gibt es nichts mehr, das einen irgendwie trösten könnte, keinen einzigen Lichtblick, auf den man sich freuen könnte. Es gibt auch keinen guten Witz, der unser Gesicht zu einem kleinen Lächeln veranlassen könnte, denn um einen Witz überhaupt verstehen zu können, müssten wir uns erst einmal darauf konzentrieren können, aber das geht gar nicht. Wir haben unsere Fähigkeit zur Konzentration völlig eingebüsst, wir können die Dinge, die um uns herum passieren, nicht mehr verstehen.

Eine Depression ist mit bestimmten Stimmungsmerkmalen verbunden, und die sehen ungefähr so aus:

• Totaler Antriebsverlust, absolute Gleichgültigkeit

• Ausgeprägte Gedächtnisschwäche und Unfähigkeit, sich auf etwas zu konzentrieren

• Es gibt absolut keinen Grund, das Bett zu verlassen

• Die Entwicklung von Mitgefühl für andere Menschen ist unterbunden

• Ständige Schlafstörungen überanstrengen den Körper und das Abwehrsystem

• Appetitlosigkeit intensiviert die Freudlosigkeit des Tages

• Abgespanntheit bis zur Erschöpfung auch als Folge des Schlafentzuges

• Ängste und innere Unruhe bis hin zum Herzrasen

• Totale Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung

• Starke Schuldgefühle, die oft in Suizidgedanken einmünden

 

Ursachen von Depression

Wer diese Frage eindeutig beantworten kann, kann sofort nach Schweden fahren, um sich einen Nobelpreis abzuholen. Die komplexe Welt menschlicher Empfindungen ist unergründlich, jeder einzelne Mensch ist ein kleines Universum. Bestimmt gibt es Auslöser für Depressionen, z. B. kann der Tod eines nahen Verwandten eine extreme Belastung für die Seele sein, auch eine übermässige Verschuldung, die man sein ganzes Leben lang nicht mehr abbauen kann, hat schon viele Menschen in Depressionen gestürzt.

Schwere Schicksalsschläge kommen aber vor, und das nicht einmal so selten. Die Natur hat uns deshalb mit mentalen Kräften ausgestattet, die es uns erlauben, solche Zeiten nachhaltiger Trauer zu überwinden. "Die Zeit heilt alle Wunden", ist dann so ein lapidarer Spruch, der aber in der Tat viel Wahrheit enthält. Manche Menschen gehen sogar gestärkt aus überwundenen Krisen hervor. Dennoch gibt es so viele Menschen, die in Depression verfallen und dort nicht mehr allein herauskommen. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass es auch genetische Dispositionen gibt, die es Menschen manchmal nicht ermöglicht, sich gegen ein Seelentief zur Wehr zu setzen.

 

Eine Schlussbemerkung

Wer bei seinen Freunden oder bei sich selbst mehrere der oben gelisteten Punkte zu erkennen glaubt, sollte unbedingt darauf hinwirken, dass dem Betroffenen schnellst möglich professionelle Hilfe zukommt. Eine Depression ist eben keine "kleine Macke", die schon von alleine verschwinden wird, sondern eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die so schnell als möglich behandelt werden muss.

Bildquelle: geralt / pixabay.com

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