Die Gier nach etwas Süssem

Die Sucht nach Süssem 

 

Wer den Morgen süss beginnt, steigt meist auch mit einer Tafel Schokolade ins Bett. Carbohydrat Craving (Kohlenhydrat-Abhängigkeit) sagen die Amerikaner zu diesem Phänomen. Der erste Grund: Geht dem Gehirn sein Lebenselixier Zucker aus – und das passiert paradoxerweise häufig, wenn wir viel Süsses essen –, zwingt es uns, etwas Süsses zu essen. (Süss heisst nicht nur Schokolade und Limonade, sondern immer auch andere schnelle Kohlenhydrate: Weissmehl, Fertigprodukte, Kartoffeln etc.). Süss macht aber auch noch aus einem anderen Grund süchtig. Nicht nur im Rattenversuch: Wissenschaftler der Princeton-Universität fütterten Ratten über ein paar Wochen mit einer zuckerhaltigen Lösung. Abrupt entzogen sie das süsse Glück. Und prompt reagierte die Ratte mit Zähneklappern, Quietschen, Unruhe und Angst. Als man ihr dann ein neues Näpfchen mit Zuckerlösung gab, verschlang sie ein Drittel der Tagesration binnen der ersten Stunde. Der Grund für dieses Verhalten heisst: Dopamin, ein körpereigenes Opioid. Der Botenstoff im Gehirn, aus dem die Süchte sind. Er macht nach Drogen und nach Süssgenuss einfach zufrieden. Und bei Entzug: ungeniessbar. Die Ratte und den Menschen. Nun muss es nicht mal Zucker sein – auch Süssstoff löst die Lust auf mehr aus. Da mixt übrigens noch ein zweiter Stoff mit. Serotonin, der Nervenbotenstoff, der glücklich macht. Insulin kurbelt die Serotonin-Produktion an. Und im Doppelpack sind sie ziemlich wirksam, was den Süsshunger betrifft. 

 

Was heißt hier süss? 

 

Muttermilch ist süss. Deswegen lacht das Baby, wenn es die Brust sieht. Zucker ist süss. Weiss jeder. Und Brot ist süss, wenn man es länger kaut. Weil Enzyme (Amylase) die Stärke in Zuckermoleküle abbauen. Und Schokolade ist süss. Und Limonade. Weiss man alles. Ist nur ein ziemlich rätselhaftes Feld für die Biochemie. Auf der Zunge gibt es Sinneszellen und Andockstellen (Rezeptoren) für vier unterschiedliche Geschmacksrichtungen: sauer, bitter, salzig und, rate…? Nein. Umami. Der Geschmack für Glutamat. Den Aromen-Verstärker, den die Asiaten so gern ans Essen tun. Zumindest sind das die Andockstellen, die bisher bekannt sind. Halt, gerade flattert eine neue Wissenschaftsmeldung auf den Tisch: Auch einem Geschmackssinn für Fett sind US-Forscher auf der Spur. Sie stellten fest: Allein das Fett im Mund lässt den Blutfett-Spiegel ansteigen. Fett schmeckt also doch – das erklärt, warum „light“-Produkte weniger beliebt sind. 

Zurück zu süss: Wie wir süss schmecken, war den Wissenschaftlern bis vor kurzem eine der großen Rätsel der Natur. Dazu eine kleine Geschmacksreise in die wunderbare Physiologie des Körpers: Wie schmecken wir? Ein oder mehrere Gene produzieren ein Protein auf der Zunge und dieses leitet die Information bitter oder umami über das Nervensystem weiter ans Gehirn. Und so ein Gen, das Andockstellen für Süsses bildet, haben die Wissenschaftler erst kürzlich an Mäusen entdeckt: das T1r3-Gen. Fehlt das Gen, nimmt man Süsses schlechter wahr – und braucht fünf statt zwei Teelöffel Zucker im Kaffee. 
Versuche einmal 14 Tage ohne Zucker auszukommen. Ohne das Süssgefühl auf der Zunge. Plötzlich wird ein Schluck Cola dich ekeln. Du wirst dich selbst nicht mehr verstehen. Du wirst wieder normal. 

 

Die Entdeckung des Zuckerfaktors 

 

Während die Schweiz „light“ und „low fat“ verschlang, legte ein Dr. Jenkins von der Universität Toronto einen anderen Massstab an Lebensmittel an. Er bewertete sie nicht nach Fettaugen, sondern nach dem glykämischen Index (GI) – einem Zuckerfaktor. Dem Einfluss eines Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Dem Einfluss auf das Hormon Insulin. Lockt es viel Insulin, das dickt macht. Oder lockt es wenig Insulin. Bereits in den achtziger Jahren gab Dr. Jenkins Obst, Gemüse, Schokolade, Brötchen & Co. einen Wert von 1 bis 100. Nun empfahl er seinen Patienten Lebensmittel mit einem niedrigen Zuckerfaktor – und siehe da, die Pfunde purzelten.

 

Bildquelle: Free-Photos / Pixabay.com

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