Auf den Spuren von Albert Einstein

Frauen sind neugierig, da mag wohl jeder zustimmen, aber Männer sind es auch, nur eben etwas anders neugierig. Aufgrund der grösseren Körperkraft der Männer gibt es in der Tat entwicklungsgeschichtliche Unterschiede auch im mentalen Bereich. Es waren vor allem kräftige Männer, die zur Jagd gingen und sich teilweise auch mal spontan etwas einfallen lassen mussten, um den Kampf gegen ein wildes starkes Tier bewältigen zu können. Aus diesen Notwendigkeiten rekrutiert sich die spezielle Art der männlichen Neugier und die Affinität des Mannes zur Technik, insbesondere zur Waffentechnik.

Das Leben der Frauen lief eher in eingespielten, regelmässigen und planbaren Bahnen ab, was sie nicht minder neugierig machte, aber der Fokus weiblicher Neugier spielt sich eher auf soziologischen Feldern ab und betrifft Fragen wie diese:

• Warum ist mein Mann um 20 Uhr noch nicht zu Hause, wenn er doch schon um 16:30 Uhr Feierabend hatte? Wo hält er sich denn die ganze Zeit auf?

• Mein Sohn ist in letzter Zeit so ganz anders als sonst, ob er wohl frisch verliebt ist?

• Meine Nachbarin hat jetzt total schicke Stiefel, die passen so gut zu ihr, wo sie die wohl herhat?

Was wir mit der männlichen Neugier meinen, mit jenem inneren Drang nach ständig neuer Information, nach dem Streben nach Welterkenntnis, lässt sich vielleicht aus einem einfachen und schon sehr alten Experiment der Verhaltensforschung klarer machen, das so oder so ähnlich viele Male mit Ratten durchgeführt worden ist. Diese Nager sind ziemlich intelligente Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten und im weiteren Sinne mit den Vorfahren der Menschen verwandt, das waren nämlich vor 50 Mio. Jahren ebenfalls Nagetiere ähnlicher Grösse.

 

Ein Verhaltensexperiment

Eine männliche Ratte befindet sich in einem Raum, in dem sich vier undurchsichtige Klappen befinden, die aber von dem Tier leicht geöffnet werden können. Hinter der Klappe Nr. 1 wird ab und zu ein Leckerbissen positioniert. Klappe Nr. 2 enthält immer mal wieder ein Schälchen mit Wasser, Milch oder süssem Saft. Hinter der Klappe Nr. 3 sitzt ab und an ein attraktives Rattenweibchen, und hinter der Klappe Nr. 4 ist nichts weiter als ein langer dunkler Gang ins Nirgendwo. Schnell lernt die Ratte die Bedeutungen jeder Klappe zu würdigen und öffnet dann stets zielgenau jene Klappe, wonach ihr am meisten der Sinn steht. Das Experiment wird mit vielen Tieren wiederholt. Da gibt es die typischen "Rammler", die sich immer wieder mit der Weibchenklappe beschäftigen, oder man beobachtet immer wieder die Fresser, die sich signifikant vornehmlich für Leckerbissen interessieren. Aber 5 bis 10 % der Tiere sind die "Neugierigen", sie können es nicht lassen, immer wieder in den langen, dunklen Geheimgang vorzudringen in der Hoffnung, dort etwas ganz Besonderes zu finden, was ihnen die anderen Klappen nicht bieten können.

 

Nun sind ja die meisten Menschen keine Ratten

Wen die Aussage des Experiments noch nicht so ganz überzeugt, darf auch gern mal einen Blick auf die Grossforschungseinrichtung CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) werfen, das ist die europäische Organisation für Kernforschung in der Schweiz. Hier findet physikalische Grundlagenforschung statt, indem mit diesem riesigen Teilchenbeschleuniger der innere Aufbau der Materie in einem breiten Energiespektrum erforscht wird. Derzeit sind am CERN 21 Mitgliedsstaaten beteiligt. Mit ungefähr 3.200 Mitarbeitern stellt das CERN das grösste Forschungszentrum für Teilchenphysik auf der ganzen Welt dar. Mehr als 10.000 Gastwissenschaftler aus 85 Ländern sind in die verschiedenen CERN-Experimente eingebunden.

Sie forschen dort an vielen Detailfragen, die kein Mensch in seinem täglichen Leben wirklich braucht. Im Gegenteil, es gibt sogar sehr besorgte Stimmen, die vor einer unaufhaltsamen Katastrophe warnen, sollte es dort gelingen, mehr oder weniger aus Versehen Materieteilchen eines "Schwarzen Loches" zu erzeugen.

Selbstverständlich arbeiten auch viele Frauen am CERN, aber ihre Zahl ist deutlich kleiner als die Anzahl ihrer männlichen Berufskollegen. Auch wenn so manche männliche Art der Umsetzung der Forschungsergebnisse die Welt ab und zu an den Rand der Selbstzerstörung bringt, können wir doch nicht leugnen, dass es auf unserer Welt ohne die männliche Neugier deutlich langweiliger wäre. Die modernen Draufgänger sind heutzutage lediglich etwas anders gestrickt als in der Steinzeit. Sie sind eben doch eher Nachfolger von Albert Einstein als von Fred Feuerstein, und dennoch nicht weniger liebenswert, was uns die populäre amerikanische Sitcom "The Big Bang Theory" fast täglich nahezubringen versucht.

Bildquelle: Simone Peter / pixelio.de

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