Die Tücken des Bewerbungsgespräches

Um überhaupt in die erlauchte Riege der Geladenen zu gelangen, muss man erst einmal die Spielregeln in der Stellenausschreibung sehr genau beachten. Dort findet man meistens sogenannte "K. O. Kriterien", die den Bewerber sofort im hohen Bogen im Papierkorb landen lassen, wenn er diese nicht erfüllt. Wenn dort z. B. explizit ein Abschluss als Master in Physik gefordert wird, dann muss man diese Unterlagen auch vorweisen können, ansonsten ist die ganze Bewerbung vergebene Liebesmühe für alle Beteiligten. Wenn sehr gute englische Sprachkenntnisse in Wort und Schrift gefordert werden, dann geht man gleich in seinem Bewerberanschreiben konkret darauf ein, wann und wo man seine Sprachkenntnisse erworben hat, z. B. durch einen einjährigen Aufenthalt in den USA im Rahmen eines Schüleraustausches.

Wir sollten dem Sachbearbeiter in der Personalverwaltung konkrete Hilfestellungen in die Hand geben, denn seine Aufgabe besteht darin, eine sogenannte Matrix zu erstellen, die alle Fähigkeiten aller Bewerber übersichtlich gegenüberstellt. Zu den vielleicht 5 Bewerbern mit den meisten "Kreuzchen" gehen dann quasi automatisch Einladungsschreiben heraus.

 

Das Bewerbergespräch

In der Regel sitzt Ihnen nun eine Auswahlkommission (kurz: Gremium) gegenüber, die z. B. aus leitenden Vertretern eines Fachbereiches, die auch die Fachfragen stellen, aus Mitarbeitern der Personalverwaltung und aus einem Mitglied des Betriebs- bzw. Personalrates bestehen. Bitte lassen Sie sich von dieser "Gegenlast" nicht irritieren oder entmutigen: Alle diese Menschen, die vielleicht ihre späteren Kollegen sein werden, haben einst auch mal auf Ihrem Platz gesessen und kennen diese etwas bedrückende Situation, d. h., sie werden versuchen, das Gespräch aufzulockern und es Ihnen so leicht wie möglich zu machen. Nehmen Sie es also mit etwas Humor, und verbuchen Sie das als interessante Erfahrung.

Einen Rat geben über Ihre Antworten zu den Fachfragen, das können wir in diesem Rahmen hier natürlich nicht. Der Fokus ist gerichtet auf den eher allgemeinen Ablauf bzw. typische Situationen in den Bewerbergesprächen aus dem Blickwinkel eines Menschen, der schon häufig als Personalrat daran teilgenommen hat.

Das Gremium wird damit beginnen, Ihnen ein paar allgemeine Fakten über das Unternehmen bzw. die Behörde und dann auch speziell auch über die Stelle, die Sie möglicherweise besetzen werden, zu erzählen. Es wird immer sehr geschätzt, wenn Sie an geeigneter Stelle, ohne den Redner zu unterbrechen, aufzeigen können, dass Sie sich mit grossem Interesse bereits mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben, also wissen, was dort im Wesentlichen hergestellt oder erarbeitet wird, vielleicht auch eine Anekdote aus der Geschichte der Firma anklingen lassen und die Gründerväter bezeichnen können.

Aber bitte nichts erzwingen, denn Sie haben genug Gelegenheit zu reden, dazu wurden Sie ja eingeladen, das Gremium möchte sich ein Gesamtbild von Ihnen machen, gerade auch im Hinblick darauf, ob Sie schliesslich ins Team passen werden, aber dazu später mehr.

 

Typische auslotende Fragen

Schon nach wenigen Minuten erhalten Sie dann Gelegenheit, Ihren beruflichen Werdegang nachzuzeichnen. Bitte jetzt nicht den Hinweis bringen, dass doch alles ausführlich in Ihrem schicken Bewerbungsmäppchen drinsteht, das braucht man doch bloss lesen. Nicht alle Gremiumsmitglieder hatten die Gelegenheit, alle Bewerberunterlagen zu durchforsten, immerhin haben alle diese Menschen täglich ihre fachlichen Aufgaben zu erledigen. Bereiten Sie sich also gut darauf vor, Ihren Werdegang, insbesondere mit jenen Facetten vorzutragen, die für dieses Unternehmen interessant sein könnten. Dieser Vortrag sollte aber nicht viel länger als 5 Minuten dauern und möglichst mit einem klaren Statement darüber enden, warum Sie so sehr davon überzeugt sind, dass gerade Sie hundertprozentig zu diesem Job passen.

Meistens ist es ein Vertreter der Personalverwaltung, der dann die Teamfragen stellt. Hierbei sollen Sie z. B. erläutern, in welchen Teams (Anzahl und Zusammensetzung der Gruppe) Sie bereits gearbeitet haben. Sie werden vielleicht aufgefordert, über Konflikte zu berichten, die in diesen Teams vorgekommen sind, und wie diese Konflikte beigelegt werden konnten, vor allem, welches Ihre möglicherweise aktive Rolle war bei der Problemlösung. Falls Sie kein selbst erlebtes Beispiel präsentieren können (denken Sie sich ggf. lieber eines aus), wird Ihnen evtl. eine heikle konstruierte Situation vorgelegt in der Art: "Stellen Sie sich vor, sie brauchen dringend eine wichtige Zuarbeit einer Kollegin, um Ihren Projektbericht erfolgreich abschliessen zu können, aber jene junge Dame liefert einfach nicht ab, und der Abgabezeitpunkt rückt nun immer näher, wie gehen Sie jetzt vor?" Abgesehen davon, dass hiermit auch gleich Ihre "Genderkompetenz" mit abgegriffen werden soll, beantworten Sie das bitte nicht so billig, dass Sie zum gemeinsamen Vorgesetzten gehen, der alles richten soll. Sie präsentieren stattdessen eine aktive Rolle, in der Sie zwei oder drei Alternativen aufzeigen, wie Sie in einem offenen Gespräch mit der Frau versuchen, sie zu motivieren und vor allem aber auch nach den Gründen der Verzögerungen auf ihrer Seite fragen. Hier könnte ja der ewige Konflikt, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, dahinter stecken, d. h., ein persönliches Hilfeangebot als Kollege auf einer ganz anderen Strecke könnte vielleicht sehr schnell zu einer Problemlösung führen.

Versuchen Sie aber bitte wenn immer möglich sich selbst zu bleiben. Schlussendlich hat das ganze Auswahlprozedere auch ein Ende – entweder Sie passen ins Team, oder eben nicht.

Bildquelle: Stefanie Salzer-Deckert / pixelio.de

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