Sie haben es in der Hand, zufrieden zu leben

Den ersten "World Happiness Report" veröffentlichte die UNO im April 2012. Das darf man sich wie einen "Weltatlas des Glücks" vorstellen. Dazu wurden in 156 Staaten insgesamt eine halbe Million Menschen danach befragt, wie sie auf einer Skala von eins bis zehn ihre allgemeine Lebenszufriedenheit beziffern würden. Die Statistiker des Meinungsforschungsinstituts Gallup berechneten aus dieser fleissigen Datensammlung dann Mittelwerte bezogen auf alle Länder. 


Vielleicht ist es nicht einmal so erstaunlich, dass sich im Ergebnis das subjektive Glückserleben signifikant korrelieren lässt mit dem Niveau der wirtschaftlichen Situation der Mehrzahl der Einwohner in dem jeweiligen Land. Die gerechte Ausprägung der Sozialsysteme und das sichere Funktionieren staatlicher Institutionen spielen dabei ganz offensichtlich eine entscheidende Rolle. Ein weiterer wichtiger Faktor, der das Glücksempfinden der Menschen ganz wesentlich stimuliert, so die Ergebnisse, ist die gefühlte Freiheit, dass jeder sein Leben im Wesentlichen selbst bestimmen kann, wobei hierbei auch die Wahrnehmung des Grades der Korruption in einem Land mit einfliesst. Nicht zu unterschätzen sind auch die Wertschätzungen für das persönliche Einkommen, die eigene Lebenserwartung und die Ausprägung des persönlichen sozialen Netzes, wozu natürlich in erster Linie die intakte Familie gehört. 

 

Ein schönes Ergebnis: Die Schweizer gehören zu den glücklichsten Menschen der Welt


Im Jahre 2015 landete die Schweiz tatsächlich auf Platz 1. Aber im Jahr 2016 wurde ein Volk bestätigt, das diesen Titel schon dreimal zuvor für sich in Anspruch nehmen konnte: die Dänen. Damit rutschte die Schweiz dieses Mal auf Platz 2 zurück, kein Grund für Trübsal. Es ist durchaus nicht so überraschend, dass in dem internationalen Glücksranking nordeuropäische Länder Spitzenplätze einnehmen, denn am anderen Ende der Skala, dort wo die unglücklichsten Menschen angesiedelt sind, herrschen vor allem Terror, Krieg, Armut und Korruption, wir befinden uns hier auf dem afrikanischen Kontinent, in Syrien und in Afghanistan.

 

Gibt es eine Formel für persönliches Glück?


Vielleicht ist diese Frage einfach nur falsch gestellt? Jeder Mensch sollte ein universelles Recht auf ausreichende Ernährung, ein Dach über dem Kopf und persönliche Sicherheit haben. Erst dann, wenn diese Voraussetzungen für alle erfüllt sind, können wir damit beginnen, eine Glücksmesslatte an die Menschen anzulegen. 

Betrachten wir aber dennoch die Ergebnisse von Studien, die das Glücksempfinden von US-Amerikanern in den Fokus genommen haben: Zu 50 Prozent bestimmen es die Gene, ob sich ein Mensch zum Griesgram oder Sonnenschein entwickeln wird. Das bedeutet, dass jeder Mensch ein angeborenes Glücksniveau in sein Leben mit einbringt. Äussere Umstände wie Attraktivität, Einkommen oder die Liebe zum Partner machen danach nur circa zehn Prozent beim Glücksempfinden aus. Übrig bleiben rein rechnerisch noch 40 Prozent. Damit kann dann eigentlich jeder machen, was er will. Und genau das ist unsere Herausforderung. Wenn wir diesen Spielraum, nachhaltig glücklich zu werden, nicht nutzen, sind wir eben selbst schuld. 

 

Wie jeder an seinem Glücksrad drehen kann


Die Psychologin Sonja Lyubomirsky beschäftigt sich an der kalifornischen Riverside University mit ihren Forschungen zum Thema "Happiness" genau mit dieser Frage. Im Zuge ihrer Arbeiten stiess sie auf das Phänomen der hedonistischen Anpassung. Was ist damit gemeint? Alle Menschen neigen dazu, nach jeder Episode eines Hochgefühls recht schnell wieder auf ihren individuellen Basiswert ihres Zufriedenheitsgefühls zurückzudriften. Nehmen Sie als Beispiel die Freude über eine Gehaltserhöhung. Spätestens nach sechs Wochen empfinden Sie Ihr neues Gehalt als Selbstverständlichkeit. Würden Sie dorthin wieder zurückfallen, sind Sie nicht so zufrieden wie zuvor, sondern extrem verärgert und enttäuscht. 

Dies gilt einer Studie zufolge auch für Lottomillionäre. Spätestens nach 18 Monaten war ihr Glücksgefühl verflogen und der Zugriff auf grössere Geldmengen zur Selbstverständlichkeit geworden. Was lernen wir daraus? Entweder sind die Menschen grundsätzlich nicht in der Lage, über längere Zeiträume hinweg Glück empfinden zu können oder wir müssen uns jeden Tag dazu aufraffen, dem Abflachen unserer Glückskurve aktiv entgegen zu arbeiten.

 

Zwei Strategien verhelfen uns zum Glück

 

  1. Positive Wertschätzung
    Wer jeden Tag darüber nachdenkt, was ihm an seinem Job gut gefällt, welche Eigenschaften seinen Partner so liebenswert machen, was im eigenen Leben aktuell besser läuft als noch vor einigen Jahren, kann jener hedonistischen Adaption aktiv entgegen wirken.
  2. Der Routine den Kampf ansagen
    Den Job können Sie sich innerhalb gewisser Grenzen täglich neu gestalten, indem Sie sich für Verbesserungen im Betrieb aktiv starkmachen. Veränderungen brauchen wir auch im Alltag. Neue Erlebnisse und neue Freunde geben uns enorme Impulse.


Gerade Letzteres erfordert durchaus auch finanzielle Investitionen, die aber von allen Probanden langfristig als viel lohnender empfunden wurden als der Kauf eines unpersönlichen Konsumartikels. Gerade die persönlichen Erlebnisse "reifen" mit der Zeit, weil wir dazu neigen, negative Momente aus der Erinnerung immer mehr auszublenden, um die schönen Momente durch eine rosarote Brille in der Wertigkeit anzuheben. 

Ein abschliessender Tipp: Wer Gefallen gefunden hat an den Ratschlägen von Professor Sonja Lyubomirsky, sollte vielleicht in ihrem Buch "Glücklich sein: Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben" (Originaltitel: "The How of Happiness") weiter nachlesen.

 

Bildquelle: Pexels / pixabay.com

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