Wie wichtig ist Empathie im Job? 

Das Wort Empathie interpretiert jeder ein bisschen anders, daher möchten wir uns erst einmal darauf einigen, was damit gemeint ist. Es geht dabei um die (persönliche) Bereitschaft und Fähigkeit, Gedanken und Empfindungen, Emotionen und Motive sowie die Persönlichkeitsmerkmale anderer Personen zu betrachten und zu verstehen. In der Folge sollten sich eigene angemessene Reaktionen auf die Gefühle des anderen Menschen einstellen, zum Beispiel Mitgefühl, Mitleid, Hilfsbereitschaft, Trauer oder ein Mitempfinden des Schmerzes. 


Die Fähigkeit zur Empathie basiert unter anderem darauf, dass Du Dich erst einmal offen selbst wahrnimmst, denn wer mit seinen eigenen Gefühlen nicht richtig umgehen kann, ist auch nicht in der Lage, sich angemessen in eine andere Person hineinzuversetzen. Dieser Hinweis beantwortet schon so ein bisschen die Frage, ob man Empathie überhaupt lernen kann. In der Tat sind viele Menschen weit davon entfernt, empathisch zu sein, weil sie mit sich selbst noch nicht ins Reine gekommen sind. Umgekehrt lässt dies den Schluss zu, dass eine gelungene Therapie stets den positiven Nebeneffekt haben kann, dass ein Mensch danach von anderen als empathischer empfunden wird.

 

Was hat das alles mit der Jobsuche zu tun?

 

Viele Firmen oder Behörden haben es längst richtig erkannt, dass der Teamgeist eine ganz entscheidende Rolle für die Leistungsfähigkeit und damit auch für die Gewinne eines Unternehmens spielt. Eine einzelne Person kann den Teamgeist so sehr "vergiften", dass von Output oder gar einer positiven Fortentwicklung gar keine Rede mehr sein kann. Aus diesem guten Grunde werden heute bei jedem Bewerbungsgespräch sogenannte Soft-Skill-Fragen gestellt, deren Beantwortung an Bedeutung immer mehr gewinnt. Die verantwortungsvolle Führungskraft legt sehr viel Wert darauf, dass der neue Mitarbeiter wirklich gut ins vorhandene Team passt, denn seine Mitarbeiter werden mit dem "Neuen" täglich konfrontiert sein. Wenn das Miteinander schliesslich nicht funktioniert, der Neue eine Belastung für die Gruppe ist und die Anderen im Ergebnis seine Arbeit miterledigen müssen, dann bedeutet das eine enorme und nachhaltige Schwächung des Gesamtbetriebs.

Kommst Du beim Bewerbungsgespräch als empathischer Typ rüber, hast Du die "Teamhürde" sofort genommen. Aus diesem Grunde ist es wirklich sehr wichtig, wie Du auf die Soft-Skill-Fragen eingehst. Aber auch die Art der Beantwortung der fachlichen Fragen gibt dem Gremium darüber Aufschluss, ob Du ein arroganter Rechthaber, Oberlehrertyp oder Vertreter einer konservativen Meinung bist wie: "Frauen haben sowieso keine Ahnung von Technik".

 

Wie kann ich es zeigen, dass ich ein empathischer Typ bin?

 

Eine Soft-Skill-Frage an eine angehende Führungskraft könnte zum Beispiel so lauten: "Sie haben die Möglichkeit für eine Höhergruppierung und zwei dafür geeignete Mitarbeiter, einen Mann und eine Frau. Sie haben sich im Vorfeld schon fast für die Frau entschieden, als Sie von ihr erfahren, dass sie schwanger ist. Welchen Einfluss hat die neue Sachlage auf Ihre Entscheidung?"


Das ist eine verzwickte Frage, bei der Du Dich um Kopf und Kragen reden kannst. Auf der einen Seite möchte die Firma einen neuen Mitarbeiter einstellen, der die Interessen der Firma loyal vertritt, dazu gehören auch und gerade Entscheidungen zur Gewinnsteigerung. Auf der anderen Seite werden hier Dein Anspruch an die Gleichbehandlung von Mann und Frau, Deine Gabe der Problemerfassung und Deine kreative Strategie zur Problemlösung abgefragt, die am Ende noch für alle Beteiligten einen Vorteil bringen sollen. Nutze derartige Fragen auf jeden Fall für Dich aus, indem Du hier in erster Linie Deine Empathie mit ins Spiel bringst, dann wirst Du auf der anderen Seite des Tisches Menschen für Dich gewinnen. Deine Antwort könnte zum Beispiel so lauten:

"Zunächst einmal gratuliere ich der Dame zu ihrem neuen, glücklichen und sehr wichtigen Lebensabschnitt, denn nichts ist für uns alle wichtiger als unsere Kinder. Selbstverständlich spreche ich sie darauf an, wie sie sich die Zeit nach dem Mutterschutz vorstellt, welche Möglichkeiten der Kindesbetreuung vielleicht auch innerhalb der Familie bestehen und biete ihr meine volle Unterstützung, soweit das meine Möglichkeiten erlauben, an. Die Antwort oder Diskussion, die sich daraus ergibt, zeigt in aller Regel gute Wege auf, wie in diesem Fall Beruf und Familie in Einklang zu bringen sind und das ist doch unser aller Ziel."

In diesem Moment hast Du zumindest bei den Frauen im Gremium wertvolle Punkte gemacht, denn sie haben verstanden, dass Du durch eine einfühlsame Kommunikation erst einmal versuchst, die Gesamtsituation zu erfassen, anstatt einer Schnellschuss-Entscheidung hinzulegen. 

 

Kurze Zusammenfassung der Tipps

 

Selbstsicheres Auftreten ist gut und wird auch gefordert, aber es darf nicht den Eindruck von Arroganz, Selbstverliebtheit und Selbstherrlichkeit vermitteln. Die Menschen des Auswahlgremiums im Bewerbungsgespräch sind vielleicht Deine zukünftigen Kollegen und könnten auch Deine Freunde werden. Genau das zeigst Du ihnen mit einem empathischen Auftreten, indem Du als Mensch mit einem hohen Mass an Freundlichkeit auf jeden persönlich eingehst. Bewerte keine der gestellten Fragen als "blöd", sie sind in der Regel gut durchdacht, um etwas über Dich herauszufinden. Genau das kannst Du Dir hier zunutze machen.

 

Bildquelle: Gerald / pixabay.com

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