Durch das Schreiben die Seele aufräumen

Der Volksmund sagt, Männer hätten einen Sinn für die Mathematik, Frauen hingegen für das Schreiben. Dabei waren Goethe, Schiller und Lessing nur einige derjenigen Schriftsteller, die es zu grossem Ruhm gebracht haben. Wer schreibt, ordnet seine Gedanken und räumt seine Seele auf. Und noch andere Gründe sprechen dafür, es mit dem Schreiben zu probieren. 

 

Sich selbst kennenlernen 

 

Nicht nur in Führungspositionen ist es wichtig, charakterliche Grundzüge der Mitarbeiter einschätzen zu können, um richtig mit ihnen zu kommunizieren. Wer um seine eigenen Stärken und Schwächen weiss, kann sich selbst besser kontrollieren. Defizite, die man beheben möchte, lassen sich effizienter aufdecken und analysieren. Da nicht jeder zum Psychiater gehen oder einen Coach aufsuchen möchte, wenn er einen kleinen Makel an sich entdeckt, lohnt es sich zu schreiben. 

 

Mit Emotionen umgehen lernen 

 

Im Laufe von Wochen, Monaten und Jahren stauen sich nicht nur schöne Gefühle auf. Hass, Wut, Ärger, Angst und Trauer kommen hinzu. Letztere belasten, auch wenn man versucht, sie zu verdrängen. Auf Dauer fühlt man sich frustriert, unproduktiv, gehemmt oder verstimmt. Da gerade Männer nicht gern über ihr Seelenleben reden und es ihnen schwer fällt, sich jemandem anzuvertrauen, sollten sie schreiben. Schon während des Schreibprozesses erleichtern sich das Gehirn und der Körper. Beim späteren Lesen erscheint das Erlebte gar nicht mehr so schlimm. 

 

Schreiben als Therapie 

 

Wer schon einmal eine belastende Situation erlebt hat, beispielsweise eine schwere Krankheit durchgemacht, einen nahe stehenden Menschen verloren oder von der Liebe des Lebens verlassen wurde, braucht eine gewisse Zeit, um das Erfahrene zu verarbeiten. Das Schreiben hilft dabei. Es unterstützt das Sortieren der Gefühle. Man ist besser in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und neue Prioritäten zu setzen. Letztlich eröffnet es neue Wege, weil es die Kreativität anregt. Schon nach kurzer Zeit des Schreibens entdecken viele Menschen, dass in ihnen mehr steckt, als sie angenommen haben. Manch einer versetzt sich während des Schreibprozesses in unbekannte Welten und entspannt dabei. Und nicht wenige schreiben fortan regelmässig, sei es in Tagebüchern oder in Manuskripten, die sie eventuell einmal als Buch veröffentlichen. 

 

Schreiben als Morgenroutine 

 

Viele Schreibende machen die Erfahrung, dass sie Zusammenhänge erkennen, wenn sie augenscheinliche Zufälle aufs Papier bringen. Deswegen gehört es zur Morgenroutine vieler bekannter Persönlichkeiten, mindestens eine halbe Stunde lang zu schreiben. Das müssen keine ausgefeilten Aufsätze sein. Es reicht, das Thema aufzugreifen, das einen gerade beschäftigt. Oder man bereitet sich auf ein bevorstehendes Meeting, das Bewerbungsgespräch beziehungsweise ein Mitarbeitergespräch vor, indem man sich in sein Gegenüber hineinversetzt, verschiedene Verläufe des Gesprächs durchdenkt und sie als Dialoge aufschreibt. Dann ist man gut gewappnet, weil man schlagfertig reagieren kann. Man hat schliesslich beim Schreiben etliche Argumente und Gegenargumente gesammelt. 

 

Wenn einem nichts einfällt? 

 

Nicht nur Anfänger wissen manchmal nicht, wie sie mit dem Schreiben beginnen sollen. Selbst gestandene Autoren leiden gelegentlich an einer Schreibblockade. Da hilft es, sich mit Neuem zu beschäftigen, um die inneren Akkus aufzuladen. Neue Eindrücke erlangt man beispielsweise beim Besuch eines Museums, des Kinos oder man legt sich einfach einmal an den Strand. In letzterem Fall hat man die Möglichkeit, andere Menschen beim Baden zu beobachten, aber auch sich auf seine eigenen Sinne zu konzentrieren. Wer gut texten will, schreibt nicht nur auf, was er mit den Augen wahrnimmt. Der Geruch nach Salzwasser, das Reiben des feinen Sandes auf der Haut, die Schreie der Möwen lassen sich ebenfalls in Worte fassen. Je länger man schreibt, desto grösser wird der Wortschatz, der einem zur Verfügung steht. Das wirkt sich positiv im beruflichen und privaten Alltag aus. Männern wird von Frauen oft nachgesagt, mit ihnen könne man nicht reden. Das ändert sich, wenn sie aus dem Stand spannende Geschichten erzählen.

 

Bildquelle: StartupStockPhotos / pixabay.com

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