Die Facetten der Faszination für Oldtimer

Bei älteren Menschen lösen Oldtimer oftmals eine wohlige Melancholie aus. Bei ihrem Anblick werden wir instantan zurückgeworfen in die guten alten Zeiten unserer Kindheit oder Jugend. Erinnerungen an das erste Ausgehen mit einem Mädchen ins Autokino werden da z. B. geweckt. Dorthin zurück versetzt treffen wir auch unsere Eltern und Grosseltern wieder, fühlen uns wieder so jung und frisch wie früher, und in unserem inneren Ohr erklingen die Schlager der 1950er und 1960er Jahre von Caterina Valente, Gilbert Bécaud, Peter Alexander, Gerhard Wendland, Vico Torriani, Louis Armstrong, Dean Martin oder auch Elvis Presley, um nur mal einige Wenige zu nennen. Wenn die Oldtimer dann langsam unserem Blickfeld entgleiten, werden wir fast etwas verstört zumindest zurück in die Gegenwart katapultiert, wo wir uns dann immer etwas traurig und allein fühlen.

 

Individuelle, eigenwillige Formen

 

Oldtimer stammen noch aus jener verflossenen Zeit, als es noch keine ausgeflippten EU-Technokraten gab, die z. B. daran glauben, unbedingt globale, formalisierte CW-Wert Standards einführen zu müssen, an die sich alle Hersteller bei Strafe halten müssen mit der Folge, dass heute fast alle Autos gleich aussehen. Erinnern wir uns an den VW Karmann-Ghia oder K70, an die alte Knutschkugel Fiat Cinque Cento, an Opel Kapitän oder Opel Admiral und nicht zuletzt an den Citroen DS, alle Designs wurden in erster Linie liebevoll entworfen mit dem Ziel eines ganz individuellen Outfits mit Wiedererkennungswert. Wird es das nun nie wieder geben?

 

Die Geschäftsidee

 

Interessanterweise sind es aber zunehmend gerade auch jüngere Leute, die sich für Oldtimer immer mehr begeistern, nicht zuletzt deshalb, weil sich damit gute Geschäfte machen lassen. Dabei arbeitet die Zeit für das Geschäft. Mit jedem Jahr verschwinden einige Oldtimer, deren Zustand so extrem schlecht ist, dass sie bei aller Liebe nicht mehr aufgebaut werden können. Vom gleichen Fahrzeugtyp werden aber kaum noch weitere Exemplare z. B. in alten Scheunen gefunden. In der Folge ist eine zunehmende Nachfrage bei abnehmendem Angebot, also der effektivste Preistreiber festzustellen. Sicherlich gibt es grosse Unterschiede. Auch die meisten Trabbis, mit denen viele Menschen weniger anheimelnde Erinnerungen verbinden, sind heute schon Oldtimer. Bis sie aber in die Preisklasse eines alten Lamborghini oder Porsche aufsteigen, dürften noch ein paar Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte vergehen.

 

Ohne Arbeit geht es nicht

 

Wer sich lohnend mit Oldtimern beschäftigen möchte, muss sich wie ein Vater (oder eine Mutter) richtig liebevoll um die alten, empfindlichen und zuweilen sensiblen Autos kümmern. Dazu gehört eine gehörige Portion handwerklichen Könnens und Wissens im Sinne eines Automechanikers. Und mehr noch: die meisten Ersatzteile kann man heute nicht mehr kaufen. Da sind Fantasie und Improvisationsvermögen gefragt. Auch eine bestimmte Stahlwelle muss schon mal selbst gedreht, oder der Reflektor einer Lampe selbst möglichst originalgetreu nachgebaut werden können. Nur ein älteres (noch fahrbereites) Auto billig kaufen und dann 15 Jahre in eine Garage stellen, damit ist es nicht getan. Erfolg ergibt sich nur dann, wenn man dazu bereit ist, viele Arbeitsstunden und auch Geld zu investieren, und das trifft im Grunde nur auf all jene Menschen zu, für die Oldtimer ein echtes Hobby bedeuten. Wer sich dann mal den Spass erlaubt und alle Arbeitsstunden ins Verhältnis zu dem Gewinn beim Verkauf setzt, wird wohl bei Stundenlöhnen im Rappenbereich ziemlich ins Schmunzeln kommen.

 

Ein Ausblick

 

Die Faszination Oldtimer wird es weiterhin geben, und auch Geschäfte mit dem Handel von Oldtimern werden weiterhin möglich sein. Was in diesem Zusammenhang sehr bald interessant werden wird, ist das Thema "Cuba". Die Zeit ist gekommen, da immer mehr US-Amerikaner erkennen, dass eine gutwillige politische Einigung mit Cuba grosse Tore für lukrative Geschäftstätigkeiten eröffnen wird. Ein grosser Bereich davon ist die schier unerschöpfliche Quelle an kuriosen Oldtimern, sozusagen ein Bärenfell, das bestimmt schon jetzt weitgehend verteilt ist, aber einzelne Fetzen davon sind vielleicht noch zu haben. Die sich auf diesem Markt ergebende Entwicklung wird noch interessante Fragen aufwerfen. 

 

Bildquelle: Pixaline / pixabay.com

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