Angst- und Panikstörung bei jungen Männern

Psychische Erkrankungen, so scheint es zumindest, sind auf dem Vormarsch und werden ein immer grösseres Thema, sei es in der Berufswelt, im Gesundheitswesen oder auch im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen. Psychotherapeuten, die es in der Schweiz eigentlich nahezu in jeder Ortschaft gibt, sind zunehmend ausgebucht, und wer einen Therapieplatz möchte, der muss häufig monate- oder jahrelang auf einen freien Platz warten. Besonders häufig werden Psychotherapeuten heute aufgrund von Depressionen, Angst- oder Panikzuständen und weiteren, häufig auch noch nicht diagnostizierten Störungen aufgesucht. Doch was genau dabei ohne jeden Zweifel auffällt – und das wird so auch von der Studienlage gedeckt – ist, dass insbesondere junge Männer scheinbar sehr häufig von allen voran Angst- und Panikstörungen betroffen sind. Aus diesem Grund wollen wir uns im Rahmen des heutigen Artikels mit der Frage beschäftigen, was eine Angst- und Panikstörung überhaupt ist und warum allen voran Panikattacken, scheinbar aus dem Nichts auftreten.

 

Angst- und Panikstörung verstehen: Was sind Angst und Panik?

 

Um zu erklären, weshalb vergleichsweise viele Männer von einer Angst- und Panikstörung betroffen sind, müssen wir im ersten Schritt erklären, was Angst und ferner Panik überhaupt sind. Angst, vereinfacht gesagt, ist ein Stresszustand, der mit unterschiedlich stark ausgeprägten Befürchtungen und Sorgen einhergeht. Unsere Angst entsteht dabei nicht immer aufgrund von tatsächlichen, äusserlichen oder innerlichen Bedrohungen, sondern kann auch aus einem Befürchtungsszenario hervorgehen, welches wir uns einzig und allein im Kopf ausmalen. Dass wir anschliessend spürbare Angst bekommen, ist tatsächlich überlebenswichtig, da Angst uns unter anderem auch daran hindert, ständig unnötig hohe Risiken einzugehen. Wer zum Beispiel vor einer dicht befahrenen Strasse steht und diese schnell überqueren muss, spielt womöglich manchmal mit dem Gedanken, einfach blind, ohne zu schauen, über diese Strasse zu rennen. Doch die Angst hindert uns in der Regel daran und sichert so unser Überleben.

Panik, der zweite und gleichzeitig deutlich extremere Zustand, ist eine Zuspitzung des zuvor beschriebenen psychischen und körperlichen Zustands. Panik ist im Wesentlichen ein Begriff, der den sogenannten Flucht- oder Kampfmodus beschreibt. Das heisst, wenn ein Mensch Panik hat, sorgt das zentrale Nervensystem dafür, dass unser Körper in einen Zustand übergeht, der uns entweder einen Überlebenskampf oder eine Flucht ermöglicht. Dieser Zustand kann sehr unangenehm sein, da er von Natur aus mit stark ausgeprägten körperlichen Symptomen einhergeht, die, wenn sie dann noch scheinbar aus dem Nichts auftreten, umso bedrohlicher erscheinen. Zu diesen ganz typischen Symptomen von Panik gehören unter anderem ein stark erhöhter Puls, eine schnelle Brustatmung, starke Unruhe und gelegentlich auch ein Kribbeln in den Extremitäten, was meist auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass wir zu schnell, zu viel Sauerstoff einatmen (Stichwort: Hyperventilieren). Gefährlich sind jedoch all diese Symptome nicht, da sie in einem solchen Zustand eine ganz normale körperliche Reaktion sind. 

 

Panikattacken aus dem Nichts?

 

Nun könnte man die Frage in den Raum werfen – und das auch zu Recht –, warum denn nun im Rahmen einer Angst- und Panikstörung diese Zustände scheinbar aus dem Nichts ausgelöst werden, da offensichtlich keine real existierende Bedrohung in der Aussenwelt vorliegt. Um diese Frage allerdings zu beantworten, muss man verstehen, dass die Sache doch nicht ganz so einfach ist. Ausschlaggebend dafür, ob ein solcher Zustand in unserem Nervensystem ausgelöst wird, ist allen voran unser Stresslevel. Denn Befürchtungen oder auch sich real anbahnende existenzielle Bedrohungen – wenn sich uns zum Beispiel im Wald ein Bär nähert – gehen im ersten Schritt immer mit einem stark erhöhten Stresslevel einher. Wenn dieser Stress, häufig gekoppelt an Sorgen und Befürchtungen (was ist, wenn der Bär näherkommt oder mich sieht?), anschliessend einen gewissen kritischen Bereich übersteigt, schaltet unser Körper in einen Kampf- oder Fluchtmodus um, der unser Überleben sichern soll.

 

Stress und ständige Sorgen sind eine der häufigsten Ursachen für Panikattacken

 

Wenn man versteht, dass allen voran ständiger Stress, der fester Bestandteil von Befürchtungen und Sorgen ist, entscheidend dafür ist, ab wann wir in Panik verfallen, kann man auch eine Brücke zu sogenannten Angst- und Panikstörungen schlagen. Denn tatsächlich passiert bei einer Panikattacke, die im Rahmen einer Angst- und Panikstörung stattfindet, genau dasselbe. Das Stresslevel baut sich auf, häufig über Wochen, Monate oder sogar Jahre, und irgendwann – wenn diese ständigen Befürchtungen und Sorgen in unserem Kopf einen kritischen Punkt überschritten haben – denkt unser Körper, vereinfacht gesagt: „Hey, wenn ich so viele Stresshormone produziere, dann kann wohl nur eine existenzielle, reale Bedrohungslage vorherrschen, also schalte ich besser in den Kampf- oder Fluchtmodus um.“ So oder so ähnlich kann man sich das in etwa vorstellen, ohne dabei zu sehr in den Fachbereich der Psychologie und Psychiatrie einzutauchen.

 

Fazit

 

Angst- und Panikstörungen sind sehr häufige und mittlerweile auch stark verbreitete psychische Erkrankungen, die mit einer vergleichsweise guten Prognose einhergehen. Wenn es ein psychisches Krankheitsbild gibt, welches sich im Rahmen einer ambulanten Verhaltenstherapie besonders gut und effektiv therapieren lässt, dann sind es Angst- oder Panikstörungen. Ein erster Schritt, um raus aus der unangenehmen Angstspirale zu kommen, geht mit dem Verstehen dieser Zustände einher. Wir hoffen, dass dir unser Artikel geholfen hat, das Ganze ein wenig besser einordnen zu können. 

 

Bildquelle: Marvin Zi / unsplash.com

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