Eiweiss und Muskelaufbau: Was Hitze mit Protein macht

Muskelaufbau beginnt nicht im Fitnessstudio, sondern am Küchentisch. Ohne ausreichend Eiweiss kann selbst das härteste Training keine neuen Muskelfasern aufbauen. Vielen Männern ist das längst bewusst. Weniger bekannt ist jedoch, wie entscheidend die Zubereitung der eiweissreichen Lebensmittel sein kann. Die Art, wie Fleisch, Eier oder Milchprodukte erhitzt werden, hat Einfluss darauf, wie gut der Körper das Protein verwerten kann.

 

Protein: Grundstoff für starke Muskeln

 

Jede Muskelzelle besteht zu einem grossen Teil aus Eiweissstrukturen. Nach dem Training braucht der Körper Bausteine, um Mikrorisse in der Muskulatur zu reparieren und die Muskeln zu vergrössern. Protein liefert diese Aminosäuren. Ein Überschuss an Protein wird nicht als Muskelmasse gespeichert, sondern dient als Energiequelle oder wird ausgeschieden. 

Die biologische Wertigkeit beschreibt, wie effizient der Körper das aufgenommene Eiweiss in körpereigenes Eiweiss umwandeln kann. Tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier und Milch besitzen meist eine höhere Wertigkeit als rein pflanzliche Quellen. Deshalb landen bei Kraftsportlern oft Magerquark, Hühnchenbrust oder Lachs regelmässig auf dem Teller.

 

Erhitzen verändert die Struktur

 

Kaum jemand isst rohes Fleisch oder rohe Eier, schon aus hygienischen Gründen. Fast immer wird Protein erhitzt: gebraten, gekocht, gegrillt oder gebacken. Dabei verändert sich die Struktur der Eiweissmoleküle. Im rohen Zustand liegen Proteine als lange Ketten vor, die kompakt gefaltet sind. Unter Hitzeeinwirkung entwirren sich diese Ketten. Man spricht von Denaturierung.

Dieser Vorgang ist nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil: Denaturiertes Eiweiss kann der Körper in vielen Fällen sogar besser verwerten. Ein klassisches Beispiel sind Eier. Das Protein aus rohen Eiern ist für den Körper schwerer zugänglich als gekochtes. Ein hartgekochtes Ei liefert demnach Aminosäuren, die leichter aufgenommen werden können.

 

Was beim Kochen passiert

 

Die Denaturierung beginnt bei Temperaturen ab etwa 40 bis 50 Grad Celsius, wird bei höheren Temperaturen aber intensiver. Deshalb verändert sich das Eiweiss in einem Spiegelei oder Omelett sichtbar: Das flüssige Eiweiss stockt, die Konsistenz wird fest. Ähnlich läuft es beim Fleisch ab. Durch die Hitzeeinwirkung gerinnt das Muskelprotein, was das Fleisch fester macht.

Diese Veränderungen sind nicht schädlich. Die Aminosäuren – also die eigentlichen Bausteine des Proteins – bleiben erhalten. Ein Steak liefert also nach dem Braten genau so viel Protein wie im rohen Zustand. Entscheidend ist nur, dass extreme Temperaturen oder langes Kochen nicht einzelne hitzeempfindliche Aminosäuren beeinträchtigen. Das passiert bei den üblichen Garmethoden jedoch kaum in relevantem Mass.

 

Mythos: Protein geht verloren

 

Immer wieder taucht die Sorge auf, dass beim Kochen Eiweiss zerstört oder „verkocht“ wird. Das ist so nicht korrekt. Die Struktur ändert sich, doch der Nährwert bleibt erhalten. Geht beim Kochen Flüssigkeit verloren – etwa Kochwasser von Eiern oder Fleischsaft – können darin Proteine stecken. Wer das Kochwasser wegschüttet, verliert also kleine Mengen. In der Praxis ist dieser Verlust jedoch minimal.

Bei Fleisch kann starkes Grillieren oder Anbraten dazu führen, dass die äussere Schicht sehr trocken wird. Durch das starke Austrocknen können geringe Proteinanteile ungeniessbar werden, weil sie sich mit Röstaromen und verbrannten Anteilen verbinden. Gesundheitlich problematisch ist das eher wegen möglicher Schadstoffe, nicht wegen des Eiweissgehalts.

 

Schonend zubereiten bringt Vorteile

 

Je sanfter das Eiweiss erhitzt wird, desto besser bleiben nicht nur die Aminosäuren, sondern auch andere wertvolle Inhaltsstoffe erhalten. Vitamine, Mineralstoffe und Omega-3-Fettsäuren leiden oft mehr unter zu hoher Hitze als das Eiweiss selbst. Schonendes Dämpfen, langsames Dünsten oder Garen bei niedriger Temperatur schont also nicht nur den Geschmack, sondern auch die Nährwerte.

 

Zubereitung clever nutzen

 

Die Art, wie Protein erhitzt wird, entscheidet über Geschmack, Verdaulichkeit und Nährstoffbilanz. Richtig gegartes Fleisch, schonend gekochte Eier oder clever eingesetztes Proteinpulver liefern dem Körper genau das, was er nach dem Training braucht. Die Angst, dass beim Kochen das Protein verloren geht, ist unbegründet. Wichtig bleibt, auf Frische, Qualität und schonende Zubereitung zu achten.

Muskelaufbau erfordert Disziplin beim Training und Weitblick in der Küche. Wer die Zubereitung im Griff hat, holt aus Steak, Omelett oder Quark mehr heraus als nur Geschmack. Jeder Bissen liefert Bausteine für starke Muskeln – egal, ob auf dem Grill, in der Pfanne oder im Topf.

 

Bildquelle: Nick Kimel / unsplash.com

Submit to DeliciousSubmit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to StumbleuponSubmit to TechnoratiSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Weitere interessante Themen

 
Logo maennerseite ch