Ängste, Sorgen, Depressionen und Zwänge: Ab wann lohnt sich ein Besuch beim Psychotherapeuten?

Das Leben ist kein Wunschkonzert; ein Sprichwort, welches man so oder so ähnlich häufig zu hören bekommt. Doch so bekannt diese Phrase auch ist, so wahr ist sie eben auch. Das Leben von uns allen wird in der Regel geprägt von verschiedenen Schwierigkeiten, Hürden und damit verbundenen Ängsten, Sorgen und Befürchtungen. Selbstverständlich gibt es auch gute Zeiten im Leben und Phasen, in denen einfach alles nahezu perfekt läuft. Doch ewig halten diese Phasen meist nicht an, und irgendwann werden wir wieder mit etwas konfrontiert, was uns auf die Probe stellt. Das können Herausforderungen im Beruf, im Privatleben oder auch auf gesundheitlicher Ebene sein. Ausgehend davon wird jeder Mensch im Laufe seines Lebens auch von verschiedenen Ängsten, negativen Verstimmungen und vielleicht sogar etwas wie Zwängen heimgesucht.

Zwangshandlungen sind im Wesentlichen nichts anderes als ein Vermeidungsverhalten, eine Strategie, überwiegend irrationaler Natur, mit der unser Unterbewusstsein versucht, unangenehme Dinge zu vermeiden oder die Kontrolle zurückzugewinnen. Bis zu einem gewissen Grad sind all diese Dinge normal, und nahezu jede Person macht irgendwann in ihrem Leben Bekanntschaft damit. Doch es kann in gewissen Fällen auch zu einem Punkt kommen, an dem uns eine dieser psychischen Auffälligkeiten vollständig vereinnahmt, sodass uns bestimmte Ängste überhaupt nicht mehr loslassen, uns den ganzen Tag begleiten und im schlimmsten Fall sogar Panik auslösen.

Selbes trifft auch auf das Thema Depressionen oder depressive Verstimmungen zu. Sich schlecht zu fühlen, deprimiert zu sein und auf nichts mehr Lust zu haben, ist je nach Situation und innerlichen sowie äusserlichen Umständen manchmal vollkommen normal. Wenn wir zum Beispiel mit einem Schicksalsschlag konfrontiert werden, wie dem Verlust einer nahestehenden Person, so wäre alles andere als eine etwas länger anhaltende negative Verstimmung tatsächlich eher unnormal.

Wer fühlt sich schon munter, motiviert und sorgenfrei, wenn er gerade eine nahestehende Person in seinem Leben verloren hat? Richtig, niemand. Doch auch hier gilt, dass diese negativen Verstimmungen und ein häufig damit verbundenes Schwarzsehen manche Männer dauerhaft vereinnahmen können, sodass man ab einem gewissen Punkt gänzlich nicht mehr aus einer solchen Phase herauskommt. Die Frage, die sich also in diesem Kontext stellt, lautet: Ab wann sollte man bei seelischen Beschwerden einen Psychotherapeuten aufsuchen, und ab wann sollte man einfach darauf warten, dass die Beschwerden von selbst wieder verschwinden?

 

Psychische Erkrankung, oder nicht? Häufig eine Frage des Leidensdrucks

 

Viele Männer, die im Laufe ihres Lebens mit schwierigen Lebensphasen und seelischen Problemen konfrontiert werden, stellen sich die Frage, ob sie tatsächlich bereits eine psychische Erkrankung haben oder die empfundenen Probleme völlig normal sind. Tatsächlich ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten, da insbesondere im Rahmen von Ängsten, Panik, Depressionen und Zwangshandlungen nicht alles mit einer diagnostizierbaren psychischen Erkrankung gleichzusetzen ist. Wie eingangs von uns schon erklärt wurde, sind all die genannten seelischen Probleme häufig normal und eine natürliche Reaktion unserer Psyche. Das gilt zumindest so lange, bis kein rationaler Grund mehr für diese Beschwerden vorliegt.

Das bedeutet, wenn wir etwa nach einem schweren Schicksalsschlag mehrere Monate mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen haben, so ist das vollkommen normal und schlichtweg Teil des Verarbeitungsprozesses. Doch wenn depressive Verstimmungen auftreten und nicht mehr verschwinden, ohne dass ab einem gewissen Punkt überhaupt noch ein nachvollziehbarer Grund dafür vorliegt, so kann es sein, dass man tatsächlich an einer klinisch diagnostizierbaren Depression leidet. Dasselbe Prinzip greift im Wesentlichen auch bei allen anderen seelischen Problemen wie Ängsten oder auch Zwängen.

Innerhalb der Geisteswissenschaften, das heisst allen voran der Psychologie und Psychiatrie, hängt vieles vom empfundenen Leidensdruck ab. Wenn eines der besagten seelischen Probleme einen Menschen derart stark vereinnahmt, dass ein normales Leben kaum bis gar nicht mehr möglich ist und man selbst alltägliche Dinge nicht mehr richtig bewältigen kann, so entspricht der Leidensdruck in etwa dem Leidensdruck einer psychischen Erkrankung. Doch es sind eben längst nicht alle von Ängsten und Depressionen geprägten Lebensphasen gleichzusetzen mit einer psychischen Erkrankung.

 

Auch ohne Diagnose: Der Besuch bei einem Psychotherapeuten lohnt sich fast immer

 

Unabhängig davon, ob man für sich attestiert, tatsächlich an einer psychischen Erkrankung zu leiden oder nicht – ein Besuch bei einem Psychotherapeuten lohnt sich fast immer. Ein Psychotherapeut und insbesondere Verhaltenstherapeut kann Betroffenen dabei helfen, auch ohne eine diagnostizierbare psychische Erkrankung, mit verschiedenen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Leben besser umgehen zu können. 

Dabei nimmt der Psychotherapeut einem allerdings nicht die Arbeit ab, noch ist er gleichzusetzen mit einem Sorgentelefon. Vielmehr erarbeitet ein Therapeut mit seinem Klienten Strategien und führt seinen Klienten vielmehr selbst an einen Punkt, an dem dieser gewisse Mechanismen und Strategien entwickelt, wie er mit bestimmten Sorgen und Herausforderungen im Leben besser umgehen kann. Das hilft fast immer, unabhängig davon, ob man an einer Angststörung, Depression oder anderen psychischen Erkrankung leidet oder die Beschwerden rationaler und damit nachvollziehbarer Natur sind.

 

Fazit

 

Nicht alle seelischen Probleme, auch wenn sie stark ausgeprägt sind und länger anhalten, sind gleich ein Indiz dafür, dass man an einer chronischen psychischen Erkrankung leidet. Schliesslich sind Ängste, Sorgen, Depressionen oder auch Panik alles normale körperliche und psychische Reaktionen, die in gewissen Situationen durchaus angebracht sind, um zum Beispiel bestimmte Dinge besser verarbeiten zu können. Doch es ist und bleibt eine Frage des Leidensdrucks, und je höher dieser ist, desto eher kann es Sinn machen, einen Besuch beim Psychotherapeuten in Erwägung zu ziehen.

 

Bildquelle: Kelly Sikkema / unsplash.com

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