Was tun bei schlechter Nachtsicht?

Der Winter mit seinem glänzenden Schnee verstrahlt seinen ambivalenten Zauber nicht nur an die Kinder, die sich draussen gerade jauchzend eine Schneeballschlacht liefern. Aber der Winter hat bekanntlich auch seine Schattenseiten, die den Menschen das Leben richtig schwer machen können. Zur üblichen Glättegefahr auf den Strassen und unpassierbaren Pässen gehören eine extrem tief stehende, alles überblendende Sonne und die traurige Kürze der Tage, dass es kaum zu vermeiden ist, beim Fahren in die Dunkelheit einzutauchen. Alles zusammen bringt eine ganze Reihe von Problemen gerade für den älteren Autofahrer mit sich.

 

Nachtmyopie - die Gefahr, die aus dem Dunklen kommt

Nachtmyopie ist eine spezielle Form der Kurzsichtigkeit, die nur bei Dunkelheit auftritt, bzw. wenn das Umfeld immer dunkler wird. Nachtmyopie ist übrigens weitestgehend altersunabhängig. Die Statistik belegt, dass jeder vierte Autofahrer in der Dunkelheit eine Brille benötigt. Brillenträger brauchen in diesem Fall eine andere Sehhilfe mit veränderter Stärke. Der Unterschied der Sehkraft bei Tag oder Nacht kann bis zu einer ganzen Dioptrie ausmachen, in Extremfällen sogar bis zu zwei Dioptrien.

Das Heimtückische an der Nachtkurzsichtigkeit ist, dass viele Menschen bei Tageslicht überhaupt keine Sichtprobleme haben, aber in der Nacht im wahrsten Sinne des Wortes den Durchblick verlieren. Daher bleibt diese Art der Sehschwäche oft lange unentdeckt. Der vorgeschriebene Sehtest für den Führerschein liefert keine Anhaltspunkte über Nachtmyopie, Brillenträger erhalten in der Regel eine auf Tageslicht angepasste Brille.

Symptomatisch für die Nachtmyopie ist, dass helle Punkte (entgegen kommende Fahrzeuge) nicht punktförmig auf dem Augenhintergrund abgebildet werden, sondern eher als Zerstreuungsscheiben erscheinen, was den Blendeffekt durch das unscharfe Bild deutlich verstärkt. Dieser Effekt tritt übrigens bereits bei Nebel, Regen oder Schneetreiben auf. Die medizinische Erklärung deutet in die Richtung, dass die Ziliarmuskeln sowohl parasympathisch als auch sympathisch innerviert sind.

 

Warum Nachtkurzsichtigkeit oft so lange unentdeckt bleibt

Bei jedem Menschen tritt eine langsame, natürliche Alterung der Linse und der Netzhaut ein. Die Anpassung der Brille bzw. der Sehtest erfolgt in aller Regel bei Tageslichtbedingungen. Dass die ermittelten Werte bei Dämmerung oder gar bei Dunkelheit ganz anders ausfallen können, ist leider immer noch kein Thema beim Sehtest.

Tagsüber schaltet das Auge bei fehlendem Akkommodationsreiz oft und schnell ins Unendliche um. Im Dunkeln passiert das deutlich seltener, daher nennt man das zurecht die "Kurzsichtigkeit des leeren Raumes".

 

Der Augenarzt kann eine Nachtmyopie entlarven

Die Nachtmyopie ist nicht so ganz einfach eindeutig zu diagnostizieren. Hierzu muss die Sehschärfe bzw. die Kontrastwahrnehmung in einem absolut dunklen Raum gemessen werden. Dabei werden z. B. Minusgläser in den Stärken -0,5 bis -2,0 dpt vorgeschaltet und geprüft, ob der Proband damit etwas deutlicher sehen kann. In der Tat muss ein Raum schon sehr abgedunkelt werden, damit ein Normalsichtiger auf eine Sehschärfe von nur 0,1 - 0,2 reduziert wird. Durch Vorsetzen von Minusgläsern wird die Sehfähigkeit dann optimiert. In vielen Fällen werden den Patienten auch verschiedene Vorhalter mitgeben, die man dann als Beifahrer während einer Fahrt bei Dunkelheit testen kann.

Das Mesoptometer ist z. B. ein recht spezielles Gerät, das die Sichtbedingungen bei Dunkelheit oder Dämmerung simulieren kann. Das Infrarotvideorefraktionsgerät kann eine Nachtmyopie noch genauer eingrenzen, und der sogenannte PowerRefractor ist sogar in der Lage, die Akkommodation permanent online zu messen.

Kommen wir aber abschließend doch noch mal auf den Aspekt des Alterns zurück. Kaum ein Mensch ist im höheren Alter vom Grauen Star, also der ganz natürlichen Eintrübung der Linse verschont. Dieser Alterungsprozess beim "Material" der Augenlinse ist ein schleichender Prozess, der auch schon mal etwas früher einsetzen kann, und die Sehschärfe ordentlich herabsetzen und die Blendempfindlichkeit erhöhen kann. In diesen vielen Fällen können kleine operative Eingriffe geradezu Wunder bewirken.

Bildquelle: photolover_paul / pixabay.com

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