Der Vater als Bezugsperson

"Kinder brauchen Väter" ist endlich zu einer allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnis auferstanden, die sogar auch durch weibliche Autoren Eingang in die Fachliteratur gefunden haben. In diesem Zusammenhang wurde auch der z. T. als schön und treffend empfundene Begriff des "Vaterhungers" eingeführt, der sogar historisch bedeutsam sein soll, indem die früheren Kriege vor allem immer wieder die Väter mitten aus dem Leben gerissen haben mit der Folge, dass so viele kleine Jungen ohne ihr Hauptidol aufwachsen mussten. Dieser Umstand wurde sogar als schwere Bürde für die Entwicklungsgeschichte des Menschen identifiziert. Wir haben also allen Grund zu der Frage: "Wie wichtig ist die Präsenz des Vaters für die gesunde Entwicklung eines Kindes?"

Durch viele Studien ist inzwischen wissenschaftlich belegt, dass engagierte Väter einen signifikant erkennbaren positiven Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder haben. Dabei haben sich erstaunlicherweise vor allem die Bereiche "Empathie", also die Fähigkeit, sich in andere Menschen gefühlsmässig hineinzuversetzen, die soziale Kompetenz, die Leistungen in der Schule allgemein und die Fähigkeit, Probleme zu bewältigen, als besonders gut entwickelt herauskristallisiert.

Umgekehrt wurde in Bestätigung obiger Aussage auch konstatiert, dass eine langfristige Abwesenheit des Vaters während der frühen Kindheit die spätere Entwicklung deutlich beeinträchtigt, und, oh Wunder, davon sind die Jungen noch signifikant stärker betroffen als die Mädchen.

 

Ohne Vater sind die Lebensumstände schwieriger

Rein "rechnerisch" kommt auf den alleinerziehenden Elternteil eine "doppelte" Last zu, wenn der zweite Elternteil in einer Familie fehlt. Traumatisch auf Kinder können sich die massiven Konfliktsituationen auswirken, die leider immer wieder schon lange Zeit vor der endgültigen Trennung eskalieren. Eine typische Folge daraus kann fehlendes Vertrauen in das andere Geschlecht und die nachhaltige Unfähigkeit in den Aufbau der eigenen Partnerbeziehung sein.

Hinzu kommt auch noch die subjektive Erfahrung des Kindes, dass es von einem Elternteil, meistens vom Vater, vernachlässigt wird. Da Kinder bis fast zur Pubertät kaum eine abstrakte Kritikfähigkeit gegenüber ihren Eltern entwickeln können, gehen sie von einer eigenen Schuld für den "Liebesentzug" aus. Das hat dann eklatante Folgen für die Entwicklung des Selbstbewusstseins und damit für das gesamte spätere Leben. Es gibt aber auch hochgradig irritierende Studien, die davon ausgehen, dass die erschwerten Bedingungen durch die Abwesenheit des Vaters die Kinder im Ergebnis viel lebenstauglicher macht, also von dieser Situation nur "profitieren" können. Es ist immer wieder erstaunlich, wie verdreht manche Hirne denken können.

 

Nur Ausnahmen bestätigen die Regel

Was hiermit auf keinen Fall erreicht werden soll, ist das Einreden eines schlechten Gewissens mit Blick auf die vielen alleinerziehenden Frauen, die es wirklich schwer genug haben. In den meisten Fällen liegen mehr als nur verständliche Gründe vor, wenn sich eine Frau mit Kindern gezwungen sieht, sich vom Erzeuger der Kinder zu trennen. Dahinter verbirgt sich oftmals die Schutzfunktion der Mutter. Fakt ist, dass viele Männer gewalttätig sind. Das hat etwas mit dem Testosteronspiegel, ihrer eigenen (schlechten) Erziehung und zuweilen auch mit ihrer kulturellen Herkunft zu tun. In diesen Fällen ist es nur ein Gewinn für die Kinder, nicht mit einem solchen Vater aufwachsen zu müssen.

Es gibt aber auch noch eine ganz andere Seite der Medaille, und das ist die falsch oder übertrieben dogmatisch verstandene Botschaft der Emanzipation der Frau. Viele Männer geben sich zufrieden mit den alten Rollenbildern. Sie gehen jeden Tag arbeiten und schaufeln so haufenweise Geld in den gemeinsamen Haushalt. Darüber hinaus reparieren sie das Auto, das Haus und kümmern sich auch vorbildlich liebevoll um ihre Kinder. Aber sie haben Schwierigkeiten z. B. bei der Hilfe im Haushalt. Staubsauger, Wischmob, Abwasch & Co. sind so gar nicht ihr Ding. Grund genug für sehr viele Frauen, sich zu trennen, leider muss man sagen, denn diese Familien hätten so gut funktionieren können, wären diese Frauen etwas toleranter gewesen.

Derartige Problemlagen lassen sich in den meisten Fällen einfach mit etwas Geld bereinigen, indem eine Haushaltshilfe engagiert wird. Und damit die Kinder nicht dem Irrtum verfallen, dass für den Hausputz grundsätzlich die Frauen da sind, darf das ja auch eine männliche Putzhilfe sein.

Bildquelle: angieconscious / pixelio.de

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