Ehen halten wieder länger

Ehen halten heute nach Angabe des Schweizer Bundesamtes für Statistik wieder öfter als noch vor wenigen Jahrzenten. So liegt die Chance, dass Eheleute für immer zusammenbleiben, immerhin schon wieder bei ca. 60 %. Noch vor 5 Jahren zerbrachen 54 % aller Schweizer Ehen.

 

Das Ende der Individualisierung?

Die Neigung und Entscheidung zu einem rein individuellen Leben hat ganz offensichtlich ihren Höhepunkt (endlich) überschritten. Früher bedeutete die Ehe für alle Beteiligten, insbesondere die Kinder, einen Hafen der Geborgenheit. Allein finanziell war ein anderes Dasein kaum denkbar. Ungefähr gegen Ende der 1960er Jahre kam eine Phase der Individualisierung auf, die im Zuge der "freien Liebe" sogleich auch das gesellschaftliche Zepter übernahm. So stieg damals auch die Scheidungsrate rasant an. Heute besinnen sich die Menschen wieder mehr auf eine verbindliche Zweisamkeit und schwören diesem "beliebigen" Lebensstil geradezu ab. Es ist ja in der Tat auch mühselig und unbequem, ständig den Partner zu wechseln. Wer es beruflich zu etwas bringen will, hat keine Zeit für solche Mätzchen, da wird zu Hause Stabilität gebraucht. Insofern bleiben heute viele Paare ganz gezielt zusammen, anders als früher, weil es vielleicht ein gesellschaftlicher Zwang so verlangte. Ganz sicher steckt auch eine vermehrte Aufklärung dahinter. Junge Menschen heiraten heute nicht mehr so "blauäugig" nur aus einer momentan verliebten Laune heraus. Die Konsequenzen der Eheschliessung sind viel transparenter geworden, und Informationen über die Vor- und Nachteile einer Scheidung lassen sich heute per Mausklick beschaffen. Die wichtige Erkenntnis, dass jede Beziehung Höhen und Tiefen hat, die aber überwunden werden können, was sich schlussendlich auch wirklich lohnt, ist inzwischen auch bei den jüngeren Menschen angekommen.

Ein grosser Beziehungskiller

Stress ist bei einem oder gar bei beiden Partnern einer der Hauptgründe für Ehescheidungen. Mit Nerven, die im Bogen gespannt sind, können wir nicht einmal bei kleinen Problemen eine konstruktive Lösung finden. Dabei spielen die Stressverursacher keine grosse Rolle. Die Quellen können im beruflichen Umfeld, im Strassenverkehr, bei den Schwiegereltern, in der Justiz, in der Gesundheit oder beim Ex-Partner liegen.  Zwar gelten Männer oft als die schlechteren Kommunikatoren, dennoch kann ihre Art der Emotionsunterdrückung in der Diskussion oft hilfreich sein und zu einer Versachlichung führen. Andererseits haben Frauen meistens bessere Antennen für die Körpersprache ihres Gegenübers, das ist eine Form der Sensibilität, die aufgesetzte Gespräche zuweilen überflüssig macht.  Ein ganz wesentlicher Unterschied in der Kommunikation zwischen Mann und Frau besteht darin, dass bei Frauen nicht so sehr die Lösung eines Problems im Vordergrund steht, sondern sie geniessen es vielmehr, ihre Gefühle und Gedanken genau zu erörtern. Männer dagegen ziehen sich gern zurück, sie wollen erst mal ihre Ruhe haben. Diese Zeit nutzen sie aber effizient, um konzentriert ein gedankliches Konzept zur Problemlösung auszuarbeiten. 

Wie können wir unsere Beziehung retten?

Jeder Ehestreit ist anders gelagert. Die häufigsten Ursachen beim Ehestreit sind:

  • Untreue
  • Missbrauchtes Vertrauen
  • Eifersucht
  • Die Schwiegereltern
  • Ex-Partner
  • Geldprobleme
  • Unterschiedliche Prioritäten über der Kindererziehung
  • Kinder aus erster Ehe

Der Leser versteht schon, dass eine detaillierte Analyse all dieser grossen Stolpersteine einer Ehe den Rahmen des Artikels sprengen würde. Der allerwichtigste Punkt, der zugleich eigentlich einfach ist und doch am wenigsten Berücksichtigung findet, ist die Bereitschaft, seinem Partner auch in der Auseinandersetzung zuzuhören. Seine eigene emotionale Aufgebrachtheit mal zurücknehmen, sich zum sachlichen Umgang mit dem Thema zwingen und Empathie für den Partner entwickeln, sich also intelligent hineindenken in die Empfindungswelt des Gegenübers, das sind ganz wichtige Bausteine einer effizienten Kommunikation. Das klingt einfach, kann aber sehr schwer sein. Nicht umsonst gibt es Zentren für Eheberatung, die dem Gespräch einen psychologisch geschulten Coach an die Seite stellen, der dann als Moderator fungiert. Wer ernsthafte Eheprobleme hat und merkt, dass er im Gespräch mit dem Partner nicht mehr weiter kommt, weil alles immer nur noch zum haltlosen Streit eskaliert, sollte sich unbedingt einer solchen Einrichtung bedienen.  Übrigens: Die Statistik besagt auch, dass sich die meisten Paare im Dezember und Januar trennen. Ein Grund dafür kann zum Jahreswechsel das Bedürfnis nach einem Neuanfang sein. Wer also den Januar überstanden hat, hat dann wieder ein ganzes Jahr lang gute Chancen, seiner Ehe neuen Schwung zu verleihen. Nutzen wir die Zeit. 

Bildquelle: Stefan Heerdegen / Pixelio.de

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